Dry Needling

Dry Needling geht u.a. auf die amerikanische Ärztin Dr. Janet Travell zurück, die mit dieser Methode z.B. auch John F. Kennedy nach seiner schweren Rücken-Operation dazu verhalf physisch in der Lage zu sein, seine Kandidatur für das Präsidentenamt antreten zu können (sie war es übrigens auch, die ihm seinen berühmten Schaukelstuhl zur Muskelentspannung „verordnete“).

Dry Needling ist die Behandlung myofaszialer Triggerpunkte mittels Akupunkturnadeln.

Beim Dry Needling wird gezielt der Triggerpunkt gestochen, der die akuten Beschwerden verursacht.
Die Verkrampfungen werden gelöst, die Durchblutung an den betroffenen Stellen funktioniert wieder und Entzündungsmerkmale gehen zurück.

 

Ein Triggerpunkt (s. Abb. oben) ist ein hochempfindlicher Knoten innerhalb eines Skelettmuskels und kann bei Druck schmerzhaft in andere Körperregionen ausstrahlen.


Muskelaufbau und Entstehungen von Triggerpunkten in Kurzfassung

Muskeln entstehen aus Muskelfaserbündeln. Jedes Faserbündel besteht aus unzählbaren Muskelfasern, die sich wiederum aus Muskelfibrillen zusammensetzen. Fibrillen bestehen in erster Linie aus zwei Eiweißen, den für die Muskelkontraktion erforderlichen Aktinen und Myosinen. Triggerpunkte entstehen dann, wenn durch Überlastungen oder Traumata eine Sauerstoffunterversorgung im Muskel einsetzt und sich in Folge die Aktin- und Myosinfilamente nicht mehr voneinander lösen können.  Triggerpunkte bewirken also eine Verkürzung des betroffenen Muskels.

Triggerpunkte entstehen  bei Pferden durch Traumata (z.B. Stürze), ungewöhnliche Belastungen (z.B. die spontane Springstunde), viele sich wiederholende Bewegungen (z.B. das dauernde Ausgleichen des schiefen Sitzes des Reitersoder das tägliche Fressen aus zu hoch hängender Raufe) und/oder Stress. Oft ist auch ein unpassender Sattel die Ursache für immer wiederkehrende Probleme. In vielen Fällen ist auch eine falsche Hufstellung der Grund für die Entstehung von Triggerpunkten. Besonders zu hohe Trachten (bitte schicken Sie bei Unklarheiten ein Hufphoto) beeinträchtigen die Statik des Pferdes so, dass mindestensVerkrampfungen in Oberarm- und Schultermuskulatur die Folge sind. In diesen  Fällen muss einer Muskelbehandlung natürlich unbedingt eine Hufkorrektur vorangehen.

 

Ein kleiner Exkurs zum Thema „Blockaden“:

Oft sprechen Reiter von einem „herausgesprungenen Wirbel“ als Ursache für eine Blockade. Das ist aber definitiv nicht die Ursache.

DN und andere therapeutische Maßnahmen würden hier nicht mehr greifen. Blockaden treten dort auf, wo die Muskulatur sehr nah am Gelenk liegt (z.B .Halswirbelsäule). Überlastungen führen zu krampfbedingten Verkürzungen, die wiederum Bewegungseinschränkungen hervorrufen (z.B. Schieftragen des Kopfes und/oder des Halses).

DN löst diese Verspannungen und damit auch die Bewegungsstörungen. Ist die Muskulatur erst einmal verkrampft, verkürzt sie sich und es entstehen in logischer Folge Bewegungsstörungen. Da die Muskeln über Faszien miteinander verbunden sind, bleiben Störungen nicht „am Ort“, es können sich z.B. Störungen in der Kruppenmuskulatur auf das Angaloppieren der gegenüberliegenden Vorhand auswirken.

Typische Fälle in meiner Praxis sind eben jene Störungen beim Angaloppieren, Taktunreinheiten, Sich-nicht-biegen-können des Pferdes und fehlender Schwung. Auch Widersätzlichkeiten gegen den Reiter und Gurt- und Sattelzwang sind i.d.R. Folgen von Verkrampfungen und somit meist mit DN lösbar.

 

Ablauf einer DN- Behandlung:

 

  • Gesamteindruck vom Pferd verschaffen
  • Zustand des Fells (Verfärbungen, ungewöhnliche  Wuchsrichtung)- Hufstellung- Bemuskelung
  • Spuren von Verletzungen (akut oder alt)   
  • Untersuchung von       
  • Genick (Atlas und Axis)       
  • Unterhalsmuskulatur         
  • Rückenlinie und ISG       
  • Kruppenmuskulatur       
  • Oberarm- und Schultermuskulatur       
  • Gurtlage und Sitzbeinmuskeln
  • Behandlung der verkrampften Stellen mit Akupunkturnadeln
  • Begutachtung von Sattel und Zaumzeug  
  • Begutachtung von Stall und ggf. Paddock
  • Therapieempfehlung zur Weiterbehandlung durch den Besitzer (Stretching, Nahrungsergänzung u.a.)

Wird der Triggerpunkt gelöst, sieht man oft die „lokale Zuckungsantwort“ an der Körperoberfläche. Nach Lösen der Triggerpunkte entweicht Milchsäure aus den Knoten, die einen muskelkaterähnlichen Schmerz auslösen kann.

Wichtig ist hier Bewegung und damit Durchblutung, um die Milchsäure im Muskelgewebe abzubauen und die normalen Stoffwechselvorgänge voranzutreiben.

 

Kontraindikationen:

  • akuter Infekt
  • Fieber
  • Einnahme blutverdünnender Mittel
  • akute Traumata (ca. 3 Wochen warten)
  • Kreuzverschlag

 

© Meike Schriever-Scholz / Jede Vervielfältigung bedarf der schriftlichen Genehmigung der Autorin.

Direkter Kontakt zur Therapeutin:  0172- 77 08 97 71 oder E-Mail  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!